★★★★ Jazzthetik by Henning Bolte (July/August 2017)

Repetitive minimaoistische Musik hat ihre ganz eigenen Eigenschaften. Ihre Wirkpotenziale entwickeln sich kumulativ aus dem Zusammenspiel von Wiederholung und Verschiebung, liegen jenseits des tatsächlich Gespielten. Eine spezielle Spielart des Minimalismus ist die Musik von En Corps – Generation. Die Wirkung entsteht hier daraus, dass die Musik einfach geschieht und dabei im Zuhören – ähnlich dem wahrgenommenen Geräuschgeschehen und Klangbild in einem Naturraum – Zusammenwirkungen entstehen. Es ist ein Ansatz, der sich in jeweilig anderer Ausarbeitung und Ausprägung auch bei dem australischen Trio The Necks und dem norwegisch-französischen Quartett Dans Les Arbres findet. Die französische Dreiereinheit von Risse/Duboc/Perraud (Piano, Kontrabass, Schlagwerk) ist mit einigen Jährchen unterwegs ein gut eingespielter Organismus. Die Musik ihres zweiten Albums besteht aus zwei qua Länge und Charakter deutlich unterschiedlichen Stücken. In abwechselnder Herausgehobenheit der drei Instrumentenklänge setzt das 37-minütige « Des corps » sehr allmählich sich verdichtende Klangzeichen um ein ungreifbares Zentrum herum. Es wirkt fast wie eine Freilegung von verborgenen Konturen. Das 17-minütige «  Des âmes » dagegen ist weitaus bewegter, disruptiver, heftiger und entladender. Es wirkt wie Wärmewellen und Temperaturmischungen. Letztlich sind es die Klänge selbst, die das Werk verrichten. Bei aller Reduziertheit schöpfen die drei Musiker maximal aus ihren gesamten Spielerfahrungen. Dass es sich bei der Musikereinheit um ein Pianotrio handelt, merkt man bei alledem nicht – und das dürfte gut so sein.

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