Rigobert Dittmann // Bad Alchemy (August 2020)

Die Union of God’s Musicians and Ar- tists Ascension und das PAN AFRICA PEOPLES ARKESTRA als zugehöriges Sprachrohr waren die Mittel, mit denen HORACE TAPSCOTT (1934-1999) von Anfang der 60er bis zu seinem Tod sein Credo verwirklichte: Come together, stay together, play together, play for the people. Alles dreht sich um ‘community’, ein urbanes Stammesbewusstsein, das über The Dark Tree (ähnlich dem Home- tree auf Pandora) neural vernetzt ist mit den Vorfahren und deren Erbe(n). Ancestral Echoes (Dark Tree, DT(RS)13) dreht – nach “Why Don’t You Listen” live @ LACMA, 1998 (BA 103) – die Zeit zu- rück auf Januar 1976, zu Sessions, die in einem Studio in Covina knapp 40 km östlich von L. A. entstanden. “The Dark Tree”, so heißt auch S. L. Isoardis Stan dardwerk zum Thema, das anhebt mit ‘Ancestral Echoes: Roots of the African American Community Artist’ und Tapscotts frustriertem Ausstieg aus der in Kommerzzwängen ver- schlissenen Bigband von Lionel Hampton. Um in South Central Los Angeles sein Lebens= Werk zu initiieren, ebenbürtig dem von Sun Ra als anderem Noah in Philadelphia und dem von Muhal Richard Abrams in Chicago. Unter den Augen von Frederick Douglass, Booker T. Washington und Harriet Tubman, gestärkt mit einem Stolz, der sich der westafrikani- schen Königreiche erinnerte, der Kulturen der Yoruba, Ashanti und Hausa, der Tradition der Griots als Barden, Propheten, Kritiker & emotional historian of a people. Eingesenkt ist das in Tapscotts 19-min., wie von Charles Ives angehauchtes, doch von Afrodrums aufgemischtes, mit Staccato gepushtes Piano Concerto ‘Ancestral Echoes’, das die Ahnen sprechen lässt durch sein anspielungsreiches Piano, Steven Smiths Trompete und Jesse Sharps’ Sopranosax, zuvorderst aber durch Kamau Daáood, dem Griot der ‘Leimert Park’- Szene, der die schwarzen queen mothers & forefathers feiert, als sculptors of pyramids & inventors of science, als Unbeugsam-Unsterbliche, die ihr Licht durch die Zeit schicken. Sharps hat übrigens in den 90ern mit Ron Ringwood’s Gospel Messengers oder den Ska- Punks Loaded einige Spuren in Germany hinterlassen, seit 2005 wieder in L.A., machte er mit The Gathering das Arkestra wieder flott. Anno 1976 hatte das, durch endlose Proben aufeinander eingeschworen, die Ancestors ebenso verinnerlicht wie Tapscotts schon länger erprobtes ‘Sketches of Drunken Mary’, mit Michael Sessions berauschtem Altosax und quirligem Flötengepiepse von Aubrey Hart. Protagonisten beim von Guido Sinclair rhythmisch markant komponierten ‘Jo Annette’ sind Charles Chandlers übersprudelndes Tenorsax, ein Horn und Tapscotts animierte Klimperei. Die 27 1⁄2-min. ‘Eternal Egypt Suite’ als Erstgeburt des Reedplayers Fuasi Abdul-Khaliq beginnt auf bebendem Fond mit Adele Sebastians innigem Flöten und gelangt, bläserisch aufwallend, mit Tamtam und rhyth- mischem Loop, über brüchige Pianinopoesie hin zu vogeligem Trillern, zu Trompeten- gesang von wieder Smith und zuletzt Abdul-Khaliq selber, der mit Tenorsax Löcher in die Decke bohrt. Mit der Hingabe, die ihn in den 80ern mit der Black-Panther-Aktivistin und Medical Marijuana-Vorkämpferin Sister Somayah Kambui (+2008) zusammenführte, um gemeinsam im Malcolm X Center das The Family Teahouse and Jazz Café zu betreiben und als Black Belt Symphony kämpferische Musik zu machen. Ihn erwartete eine dauerhafte deutsche Zukunft, seit 1992 in Berlin, mit Journey To The Source und als langjähriger Kurator und Leader der Little Big Band an der Werkstatt der Kulturen, deren statt- gefundene ‘feindliche Übernahme’ er entschieden kritisiert. Es braucht die-hards wie Sharps, Daáood und Abdul-Khaliq, damit die Lichter nicht ausgehen - light / lightness / melody of feathers.

 

 

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