Rigobert Dittmann // Bad Alchemy (mai 2022)

ENSEMBLE ICOSIKAIHENAGONE Volumes II – Fiction Musicale Et Chorégraphique – Création Pour Grand Orchestre Et Corps Actants (Dark Tree, DT 15): Benjamin Duboc leitet hier ein mit Akkordeon, Cello, Drums, E-Gitarre, Electronics, Klarinette, zwei Kontrabässen, Kontrabassklarinette, Percussion, zwei Posaunen, Piano, Sopraninosax, zwei Trompeten, Tuba, zwei Violinen und Viola bestücktes, logischerweise 21-köpfiges Ensemble mit so erfahrenen Kräften wie Jean-Luc Cappozzo, Franz Hautzinger, Sylvain Kassap, Jean-Sébastien Mariage, Gaël Mevel, Diemo Schwarz, Thierry Waziniak. Erfahrungen, die, wie bei Duboc selber, herrühren von Klangkörpern wie ONCEIM und CoÔ, vom Befahren von Radigues „Occam Ocean“, dem Ensemble 0, aber auch von Hubbub, Le Cercle, Gaël Mevel Quintet, Quartet Alta, Trio Rives. Die sprechenden Stimmen dazu, das sind Guylaine Cosseron (Mariages Partnerin in Duende) und die Akkordeonistin Claire Bergerault (die zuletzt zu J.-L. Guionnets Orgel „Airs Trouvés“ angestimmt hat), mit ihnen von Duboc und dem Scénographen Benoít Spinga in den Mund gelegten Texten. Die das orchestrierte Spielen und Tanzen abstecken in einem sozial skulpturierten Luft-, Licht-, Spielraum. Der sich dämmrig surrend auftut und metallisch crescendiert. Doch implodiert in ein Luftloch, das gepfiffenes Pianissimo und huschende Klangkürzel zu füllen beginnen. Paukentupfer lassen eine zweite Dröhnfront leise aufquellen, kaum mehr als ein zirpender Hauch, der monotone Pianoschläge heranführt und erneutes Crescendo, nun in orchestralem Tumult und mit delirierenden Stimmen. Die Frauen- und auch eine ganze Reihe Männerstimmen haben einiges zu sagen, bevor gedämpfte Trompete und die Klarinette kleine Monologe anstimmen, während alle wie die Jünger am Ölberg schlafen und man nur die Strings noch atmen hört. Eine dritte Dröhnwelle breitet leise summend eine Decke drüber, Waziniak trommelt als Sandmännchen, es knarzen nur noch die Bettwanzen. Bis plötzlich mit jazzigem Pizzicato ein swingender Traum einsetzt, ein tänzerisches und elegisches Durcheinander, die eine parliert, die andere girrt und jubiliert, doch Schnitt. Und Stille. Zu dumpf läutendem Piano brüten Posaune, Geige und flickernde Percussion vor sich hin, die Frauen summen somnambul, das Ensemble webt und bebt. Und schwillt an für ein finales Aufbäumen mit krachiger Gitarre. Aber wie weggewischt reißt die kollektive Euphorie v-effekthaft ab – für das alltägliche Gemurmel in der Theaterkantine.

 

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